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EIN NEUES TEAM FORMEN UND AUF KURS BRINGEN

Das Gespräch mit Trainer Christian Denk – ein Rückblick auf die Saison 2018/19 und über die Chancen in der kommenden Saison.

 

Die Saison 2018/19 hatte es für euch als Mannschaft in sich – aber auch für Dich als Trainer: Einige Kernspielerinnen gaben frühzeitig ihren Wechsel bekannt, die Erfolge bei den Spielen blieben zwischenzeitlich aus und am Ende wurde der 5. Tabellenplatz gesichert. Wahrhaft ein Wechselbad der Gefühle. Wie gehst du damit um?

Wir sind mit einer perfekten Vorbereitung und zwei Siegen gegen Bremen und Berlin optimal in die Saison gestartet und wurden dann von der Konkurrenz nach der erfolgreichen Vorsaison noch mehr zu den Favoriten der Liga erkoren.

Wer mich kennt, weiß, dass mich so etwas regelrecht kalt lässt.

Trotzdem waren wir diesen hohen Erwartungen nicht gewachsen. In den kommenden vier Spielen, unter anderem in Rosengarten und Ketsch oder Zuhause gegen Mainz und Rödertal, war nicht mehr als ein Punkt zu holen. Danach folgte eher ein Auf und Ab unserer Leistungen. Besonders die Heimspielniederlagen gegen Rödertal oder Waiblingen hätten nicht passieren dürfen. Es gab zwei Phasen in der Saison, in denen einige Spielerinnen nicht den vollen Fokus auf das Wesentliche bringen konnten.

Welche zwei Phasen waren das?

Die erste negative Phase hatten wir nach den Niederlagen gegen die Topteams der Liga. Der Fokus und der Teamspirit ging mir zwischenzeitlich ein bisschen verloren, persönliche Interessen standen plötzlich im Vordergrund. Aber auch dem Druck, vermeintlicher Favorit zu sein, waren wir nicht gewachsen.

 In der zweiten Phase, besonders in den Heimspielen, hatte ich das Gefühl, die Leichtigkeit wichtiger Spielerinnen war nicht vorhanden. Sicher spielte da der Gedanke eines Vereinswechsels schon eine Rolle und darf so nicht passieren.

 In dieser Zeit war es enorm schwer, unser Saisonziel – den 5. Platz oder mehr – erreichen zu können. Für mich persönlich wurde das Ganze immer schwieriger: den Spagat zu schaffen, auf der einen Seite unsere sportlichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, aber auf der anderen Seite schon relativ früh an einem sportlichen Umbruch arbeiten zu müssen. Wenn ich nur das Sportliche betrachte, können wir am Ende der Saison 2018/19 sehr zufrieden sein. Wir haben im zweiten Jahr in der Zweiten Bundesliga erneut den 5. Platz erreicht und uns punktemäßig sogar verbessert. Die Saison über gingen sage und schreibe neun Spiele mit nur einem Tor Unterschied aus (fünf Mal knapp verloren und vier Mal knapp gewonnen). Das alleine zeigt, wie eng jeder Spieltag ist und was alles stimmen muss, damit die Bilanz noch besser wird. Die ersten vier Vereine waren da einfach deutlich weiter und erfahrener als wir. Das ist für mich ganz klar. Aber trotzdem gehe ich mit einem sehr positiven Gefühl in die Zukunft, denn dieses Jahr hat mich persönlich enorm gestärkt, aber auch als Trainer habe ich mich weiterentwickelt.

Im Interview zum Saisonende letztes Jahr war dir wichtig, den Kern der Mannschaft zusammenzuhalten, was in Teilen nicht geklappt hat. Woran lag das aus deiner Sicht?

Für mich ist es natürlich wichtig, Leistungsträger so lange es geht zu halten. Um unseren Verein weiter nach vorn bringen zu können, brauchen wir Stabilität und Geduld. Wir haben uns die letzten drei Jahre, ob es im Umfeld, im Verein oder der Mannschaft ist, extrem gut weiterentwickelt. Nun muss man lernen, mit Lob und guten Leistungen umgehen zu können. Für junge Spielerinnen ist es nicht leicht, Erfolg zu verarbeiten. Dann kommen von allen Seiten gute Ratschläge oder sogenannte Berater, die meinen zu wissen, wie der Weg weiter auszusehen hat. Hohe Ziele sind gut, ich stecke mir auch immer hohe Ziele, aber ich muss damit umgehen können und mit der Gegenwart verbinden. Das haben wir letzte Saison leider nicht geschafft.

Man muss aber auch hier sagen, dass unser Verein wusste, bei welchen Spielerinnen Veränderungen anliegen und wir konnten früh handeln und Neuzugänge begeistern. Das war auf jeden Fall positiv.

Ich bin sicher, dass alle Spielerinnen, die nun neue Wege gehen, sich weiter gut entwickeln und auch in Zukunft in ihren neuen Vereinen gute Rollen spielen. Dennoch glaube ich, dass der ein oder andere Wechsel zu früh gekommen ist oder nicht hätte sein müssen.


Mit Vollgas in die neue Saison.

Wie hältst du den Rest der Mannschaft zusammen? Und vor allem wird es gelingen in relativ kurzer Zeit alle Spielerinnen zu einem Team zu formen?

Ganz ehrlich!? Aus voller Überzeugung: Wir haben jetzt die spannende Aufgabe, ein neues Kirchhof-Gesicht zu formen. Ich brauche so schwierige Reize und Aufgaben. Aus Rückschlägen und neuen Erfahrungen gibt es neue Chancen und Möglichkeiten. Vieles wird neu oder anders. Eine wahre Herkulesaufgabe, die für mich schon jetzt unglaublich interessant ist. Alle Spielerinnen haben nun die Chance, neue Persönlichkeiten zu entwickeln und sich für die SG 09 Kirchhof einzusetzen. Ich möchte generell wieder ein positiveres Denken bewirken.

Werden die Spielerinnen das Kirchhof-Spielsystem
verstehen ?

Wir stehen natürlich weiter für kontrollierten Tempohandball nach vorne. Und natürlich stehen wir auch weiter für eine sehr harte, aber faire offensive und druckvolle Deckungsarbeit. Es ist jetzt die Kunst, ich nenne es mal vorsichtig, aus „dem Material“, was wir haben, etwas Gutes zu machen. Wir müssen uns neu finden, brauchen unbedingt eine intensive Vorbereitungsphase und jede Menge Vorbereitungsspiele, damit das Schiff wieder auf Kurs kommen kann. Meine Aufgabe ist es natürlich auch, wenn nötig, unser Spielsystem zu ändern. Aber da lassen wir uns mal überraschen. Ich habe wie gesagt, große Lust und Motivation für die anstehenden Aufgaben. Ich werde allen Spielerinnen das Gefühl geben, ein Teil dieser neuen Mannschaft sein zu können.

 Wird es die Mannschaft trotz Verlust einiger Publikumslieblinge schaffen, die Zuschauer zu begeistern und für eine volle Halle zu sorgen?

Auch hier bin ich wie immer ganz ehrlich: Es wird verdammt schwer, Spielerinnen wie Danique Boonkamp ersetzen zu können oder sofort neue Publikumslieblinge zu haben.

Ich versuche natürlich bei der Auswahl darauf zu achten. Aber vieles kann man nicht planen. Es muss passen. Ich lege sehr großen Wert darauf, dass unsere Spielerinnen eine enge Beziehung zu unseren Zuschauern und Fans aufbauen! Das ist mir wichtig und das wissen alle!

Wir brauchen weiter den sportlichen Erfolg. Der Zuschauer wird dir nicht zujubeln, wenn du am Ende des Tages das Spiel verlierst.

 Apropos Publikumsliebling. Dionne Visser spielt nun in der holländischen Nationalmannschaft. Sie wurde die letzten drei Jahre hier in Kirchhof von dir trainiert und hat sich toll entwickelt. Dafür kannst du dir auf die Schulter klopfen, oder siehst du das anders?  

Das sollen andere Personen beurteilen. Fakt ist aber, alle Spielerinnen haben sich in der abgelaufenen Saison weiterentwickelt. Sie können auch in jungen Jahren schon relativ viel Verantwortung übernehmen und bekommen von mir, wenn es sein muss, relativ viele Freiheiten, ihre Persönlichkeit und auch ihre Stärke in den Vordergrund zu bringen. Hinzu kommt, Kirchhof ist ein Verein mit viel Tradition, das sind wichtige Vorrausetzungen, immer wieder talentierte Spielerinnen zu fördern. Wir stehen hier immer im Fokus! Wir haben einen modernen Spielstil und fallen positiv auf. Aber ich sage auch, Spielerinnen wie Danique Boonkamp oder Leona Svirakova hätte ich gerne noch ein bis zwei Jahre länger begleitet.

 Wer wird für Dich neue Spielmacherin? Steht das schon fest oder wird sich das erst im Vorbereitungstraining und während der ersten Spiele entscheiden ?

Oh, ich sage ja, viele spannende Fragen, die auf uns warten :-D

Natürlich habe ich zwei bis drei Optionen im Kopf. Wir haben mit Michelle eine Spielerin, die die letzte Saison nicht immer alles abrufen durfte/konnte. Man wird sehen, wie sie sich nun entwickelt.

Dann haben wir mit Mariel eine wirklich tolle Spielmacherin aus Bad Wildungen geholt. Sie verfügt für mich über ein Passspiel, das Kirchhof so noch nicht hat. Aber auch Sina oder Diana sind weitere Optionen für diesen wichtigen Part. Genau das meinte ich vorhin – das Schiff muss laufen und dafür brauchen wir die richtigen Lösungen. Wir werden es bald wissen.

 Hochkarätige Spielerinnen wurden begeistert und der Ruf des Vereins ist gut. Wie gehst du persönlich mit diesen hohen Erwartungen um?

Ich kann zunächst sagen, Kirchhof hat einen prächtigen Ruf in Deutschland. Das kann unseren Verein und die Region stolz machen.

Wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Aber das heißt jetzt nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen können. Vieles kann noch verbessert werden und daran muss die SG 09 Kirchhof arbeiten.

Was meinst du hier konkret?

Wir müssen versuchen uns breiter aufzustellen. Ich hätte gerne ein größeres Team um mich herum, sprich eventuell einen Torwarttrainer oder sogar ein Co-Trainer.

Auch im Nachwuchsbereich müssen wir unsere gute Jugendarbeit fortsetzen. Vielleicht müssen wir über einen Jugendkoordinator nachdenken. Aber ich weiß auch wie schwer es ist, dies alles zu finanzieren. Also brauchen wir immer wieder Hilfe von allen Seiten.
 
 
Und die Erwartungen?

Was das angeht, muss ich euch leider alle enttäuschen. Wir müssen nun erst wieder geduldig sein und vor allen Dingen realistisch denken. Es wird sicher Teams in der Zweiten Bundesliga geben, die besser sind. Es wird Teams geben, die auf einem Level mit uns spielen werden. Plus die Überraschungen, die es jedes Jahr gibt. Es wird also schwer, erneut  den 5. Tabellenplatz zu toppen und wir sollten vor allem anfangs nicht so sehr auf die Tabelle schauen. 

 Was möchtest du den Zuschauern und vor allen euren Fans mit auf den Weg geben?

Bitte unterstützt den Mädchen-  und Frauenhandball in der Region so gut wie bisher. Es ist enorm wichtig, dass wir positiv denken und mit guten Gefühlen in die Zukunft blicken. Es ist sehr viel möglich. Aber nur gemeinsam können wir uns verbessern. Ich kann euch allen sagen, bitte kommt weiter in die Stadtsporthalle, wir werden eine wirklich tolle Mannschaft haben, die sich wieder zu 100 Prozent mit der Region und den Menschen hier identifizieren wird. Unsere Neuzugänge machen einen super Eindruck. Ihr alle könnt uns helfen, dass auch das nächste Kirchhof-Jahr ein unvergessliches wird und zwar nur im positiven Sinne.

 

Das Interview führte Ina Tollhopf.

 

 


 

24.06.2019

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